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Blog-Serie BTP Teil 5: Integration auf der BTP – Systeme verbinden, Prozesse durchgängig machen

Ein Überblick über die Integrationsstrategie der SAP BTP: Integration Suite, API Management und Event Mesh auf strategischer Flughöhe.

In den bisherigen Teilen haben wir die SAP BTP eingeordnet (Teil 1), die Lizenzierung erklärt (Teil 2), das Cockpit und die Governance behandelt (Teil 3) und die Environments vorgestellt (Teil 4). Jetzt widmen wir uns einem Thema, das in fast jedem BTP-Projekt eine zentrale Rolle spielt: Integration.

Denn der eigentliche Mehrwert der SAP BTP entsteht nicht isoliert, sondern dann, wenn Systeme, Daten und Prozesse intelligent miteinander verbunden werden. Genau hier setzt die SAP Integration Suite an.

Dieser Teil gibt einen Überblick über die Integrationsfähigkeiten der SAP BTP mittels der SAP Integration Suite. Wir erklären die wichtigsten Bausteine, ordnen sie ein und zeigen, wann welcher Ansatz sinnvoll ist.

Warum Integration auf der BTP so wichtig ist

Die Zeiten, in denen ein SAP-System als monolithische Insel betrieben wurde, sind vorbei. Moderne SAP-Landschaften sind hybrid und verteilt:

  • S/4HANA läuft On-Premise oder beispielsweise in der Private Cloud.
  • SuccessFactors, Ariba laufen als SaaS in der Cloud.
  • Drittanbieter-Systeme ergänzen die Landschaft.
  • Datenplattformen wie SAP Datasphere oder externe Data Lakes müssen befüllt werden.

Ohne eine durchgängige Integrationsschicht entstehen Datensilos, manuelle Prozessbrüche und ein wachsender Wartungsaufwand.

Die drei Integrationsmuster auf der BTP

Bevor wir die konkreten Services betrachten, lohnt es sich, die drei grundlegenden Integrationsmuster zu verstehen, die auf der BTP zum Einsatz kommen:

Kernkonzepte

MusterBeschreibungTypisches Szenario
ProzessintegrationSynchroner oder asynchroner Datenaustausch zwischen Systemen. Nachrichten werden transformiert, geroutet und überwacht. Klassisches Middleware-Muster.Bestellung in S/4HANA → Lieferavis an Logistik-Partner → Bestätigung zurück. Stammdatenreplikation zwischen S/4HANA und SuccessFactors.
API-basierte IntegrationSysteme stellen APIs bereit, die von anderen Systemen oder Anwendungen konsumiert werden. Zentrale Governance über ein API-Portal.Fiori-App auf der BTP liest Kundendaten per OData-API aus S/4HANA. Partner-Portal greift über REST-API auf Bestellstatus zu.
Event-Driven IntegrationSysteme publizieren Ereignisse (Events), auf die andere Systeme reagieren. Lose Kopplung – der Sender kennt den Empfänger nicht.S/4HANA meldet „Kunde angelegt“ → CRM-System legt automatisch einen Account an. Wareneingang → Qualitätsprüfung wird getriggert.

In der Praxis kombinieren sich diese Muster häufig. Ein modernes Integrationsszenario nutzt z. B. eine API für den synchronen Lesezugriff, Events für die Echtzeit-Benachrichtigung und eine Prozessintegration für beispielsweise den Batch-Abgleich über Nacht.

Die SAP Integration Suite – der zentrale Baustein

Die SAP Integration Suite ist SAPs Flagship-Service für Integration auf der BTP. Sie ist kein einzelnes Tool, sondern eine Suite aus mehreren Fähigkeiten sogenannte „Capabilities“.

Die Capabilities im Überblick

Capability

Was sie leistet

Cloud Integration

Verbindet verschiedene Systeme miteinander. Daten werden empfangen, bei Bedarf umgewandelt und an das Ziel weitergeleitet.

API Management

Hilft dabei, Schnittstellen (APIs) zentral zu verwalten, zu überwachen und sicher bereitzustellen. So können andere Systeme kontrolliert auf Daten oder Funktionen zugreifen.

Event Mesh

Sorgt dafür, dass Systeme Informationen über Ereignisse in Echtzeit austauschen können.

Open Connectors

Vorgefertigte Konnektoren für  Non-SAP-Cloud-Dienste.

Trading Partner Management

Unterstützt die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern wie Kunden oder Lieferanten. Es verwaltet Partnerdaten, Kommunikationsregeln und Zertifikate, zum Beispiel für den elektronischen Datenaustausch (EDI).

Wichtig zu verstehen: Die Integration Suite wird als ein Service lizenziert. Mit der Aktivierung erhält man Zugriff auf alle Capabilities. Der Credit-Verbrauch richtet sich nach der Nutzung (Messages, API Calls), nicht nach der Anzahl aktivierter Capabilities.

Cloud Integration – das Herzstück

Die Cloud Integration (ehemals CPI) ist für die meisten Unternehmen der wichtigste Einstiegspunkt. Sie ist der Nachfolger von SAP PI/PO in der Cloud und übernimmt die Rolle der zentralen Nachrichten-Middleware.

Was Cloud Integration kann

  • Nachrichten empfangen und senden: Aus und an SAP-Systeme, Cloud-Diensten und Drittanbieter durch eine breite Palette von Protokollen und Adaptern.
  • Nachrichten transformieren: Mapping zwischen unterschiedlichen Formaten (bspw.: XML, JSON, CSV, IDoc, EDI).
  • Routing und Filterung: Nachrichten basierend auf Inhalt, Header oder Konditionen an verschiedene Empfänger weiterleiten.
  • Fehlerbehandlung und Monitoring: Automatische Wiederholungen bei Abbrüchen, sowie ein umfangreiches Dashboard mit Nachrichtenstatus und Fehleranalyse stehen zur Verfügung.
  • Vorgefertigte Integration Flows: SAP liefert vorkonfigurierte Integrationsszenarien für gefragte Verbindungen.

Typische Szenarien auf einen Blick

SzenarioBeschreibung
S/4HANA ↔ SuccessFactorsMitarbeiterstammdaten-Replikation (Employee Central Integration). Vorgefertigtes Content Package verfügbar.
S/4HANA ↔ DrittanbieterAnbindung externer Logistik-Partner, Banken (Payment-Formate), CRM-Systeme oder E-Commerce-Plattformen.
Event MeshSorgt dafür, dass Systeme Informationen über Ereignisse in Echtzeit austauschen können.
B2B / EDIElektronischer Datenaustausch mit Geschäftspartnern über EDI-Standards (EDIFACT, ANSI X12, cXML).

API Management – APIs unter Kontrolle

In einer BTP-Landschaft kommunizieren Anwendungen, Partner-Portale und Drittanbieter permanent über APIs mit SAP-Backends. Ohne zentrale Governance wird das schnell unübersichtlich und riskant. Das API Management in der Integration Suite löst genau dieses Problem:
  • API-Proxy: Stellt eine kontrollierte Fassade vor Backend-APIs bereit. Clients greifen nie direkt auf das Backend zu, sondern über den Proxy.
  • Policies: Rate Limiting, Quota Management, IP-Whitelisting, OAuth-Validierung – deklarativ konfigurierbar, ohne extra Code im Backend.
  • Analytics: Wer nutzt welche API wie oft? Wo gibt es Fehler? Wo entstehen Latenzen? Echtzeitdashboard für API-Performance.

SAP Event Mesh – Echtzeit-Integration über Events

Während Cloud Integration und API Management auf dem Request/Response-Muster basieren (System A fragt, System B antwortet), dreht der SAP Event Mesh die Logik um: Systeme publizieren Ereignisse, und interessierte Systeme abonnieren diese, ohne dass Sender und Empfänger voneinander wissen müssen.

Das Prinzip

        Publish: S/4HANA meldet ein Business-Event, z. B. „Bestellung angelegt“ (Business Event: sap.s4.beh.purchaseorder.created.v1).

        Broker: Der Event Mesh nimmt das Event entgegen und leitet es an alle registrierten „Subscriber“ weiter.

        Subscribe: Ein oder mehrere Systeme reagieren.

 

Vorteile gegenüber klassischer Integration

Klassisch (Request/Response)

Event-Driven (Event Mesh)

Sender muss Empfänger kennen

Sender publiziert das Ereignis

Synchron, der Sender wartet auf Antwort

Asynchron, der Sender arbeitet sofort weiter

1:1-Verbindung (oder explizites Routing)

1:n – Verbindung, beliebig viele Subscriber möglich

Neuer Empfänger bedeutet Änderung am Sender/Middleware

Neuer Empfänger bedeutet neue Subscription, Sender unverändert

 

On-Premise-Anbindung: Cloud Connector und Connectivity Service

Ein Thema, das in der Praxis sofort relevant wird: Wie greife ich von der BTP sicher auf mein On-Premise-S/4HANA zu?

SAP löst dies über eine Kombination aus zwei Komponenten:

  • SAP Cloud Connector: Eine leichtgewichtige Software, die im Unternehmensnetzwerk installiert wird. Sie baut einen verschlüsselten Tunnel zur BTP von innen nach außen auf, ohne eingehende Firewall-Öffnungen. Der Administrator definiert exakt, welche On-Premise-Systeme und On-Premise-Ressourcen über den Tunnel erreichbar sein dürfen (Whitelisting).
  • SAP Connectivity Service: Der BTP-seitige Service, der den Tunnel entgegennimmt und BTP-Anwendungen den Zugriff auf die freigegebenen On-Premise-Systeme ermöglicht.
  • SAP Destination Service: Verwaltet die Verbindungsziele zentral – URLs, Credentials, Authentifizierungsmethoden. Anwendungen referenzieren nur den Destination-Namen, nicht die technischen Details.

Wichtig: Der Cloud Connector ist für praktisch jedes Szenario erforderlich, in dem BTP-Anwendungen oder die Integration Suite auf On-Premise-Systeme zugreifen. Die Installation sollte früh in der BTP-Einführung eingeplant werden – idealerweise in einer Hochverfügbarkeits-Konfiguration (sogenannt „Master & Shadow“).

Migration von SAP PI/PO

Viele Unternehmen betreiben heute noch SAP Process Integration (PI) oder Process Orchestration (PO) als zentrale Middleware. Mit dem Auslaufen der Mainstream-Wartung (Ende 2027 für PI/PO 7.5) wird die Migration in die Cloud Integration drängend.

Der Migrationsweg

  • Assessment: Die Capability „Migration Assessment“ in der Integration Suite analysiert bestehende PI/PO-Szenarien automatisiert und bewertet die Migrationskomplexität.
  • Migration Tool: SAP bietet ein Migration Tool, das PI/PO-Integration-Flows semi-automatisiert in Cloud-Integration-Flows überführt. Adapter-Mappings, Routings und einfache Transformationen werden übernommen.
  • Manuelle Nacharbeit: Komplexe Szenarien (UDFs, custom Adapter-Module, BPM-Prozesse) erfordern manuelle Anpassung. Hier ist eine schrittweise Migration sinnvoller als ein Big Bang.

Praxis-Tipps aus unserer Erfahrung

Thema

Empfehlung

Content Packages vor Eigenentwicklung

Prüfen Sie immer zuerst, ob SAP ein vorgefertigtes Content Package für Ihr Szenario anbietet. Oft decken diese 80–90 % des Bedarfs ab und lassen sich anpassen.

Cloud Connector von Anfang an

Planen Sie die Cloud-Connector-Installation als einen der ersten Schritte mit einem Hochverfügbarkeits-Setup (Master + Shadow) ein.

API-First denken

Wenn Sie APIs für mehr als einen Konsumenten bauen, führen Sie API Management von Anfang an ein. Nachrüsten ist deutlich aufwendiger als frühzeitige Governance.

Monitoring nicht vergessen

Die Integration Suite bietet umfangreiches Monitoring. Richten Sie Alerting ein (z. B. über SAP Alert Notification Service) und definieren Sie Verantwortlichkeiten für Fehlerbehandlung.

PI/PO-Migration nicht aufschieben

Die Mainstream-Wartung für PI/PO 7.5 endet Ende 2027. Starten Sie jetzt mit dem Assessment, um einen realistischen Zeitplan zu erstellen.

Quellen

SAP Help Portal – SAP Integration Suite (Cloud Integration, API Management, Event Mesh); SAP Business Accelerator Hub; SAP Hinweise zur Wartung von SAP Process Integration / Process Orchestration 7.5.

Blog-Serie:

In den nächsten Teilen gehen wir tiefer auf spezielle Themen ein, welche uns bei unseren Kunden immer wieder begegnen. 

Teil

Thema

Teil 1

Was ist die SAP BTP und wie passt sie ins große Bild?

Teil 2

Lizenzierung & Kosten – CPEA, BTPEA und Pay-As-You-Go

Teil 3

Das BTP Cockpit – Monitoring, Berechtigungen & Governance

Teil 4

Services & Environments – Cloud Foundry, Kyma, ABAP Environment und der Service Marketplace

Teil 6

Erweiterungen in der Praxis – Side-by-Side Extensions mit CAP und RAP

Teil 7

AI & Automation – SAP AI Core, Joule

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Thomas Krafft

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