Im ersten Teil dieser Blog-Serie haben wir geklärt, was die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) ist und wie sie sich in die SAP-Gesamtarchitektur einordnet. Jetzt kommt die Frage, die in jedem Gespräch mit Kunden früher oder später fällt: Was kostet das Ganze?
Die Antwort ist – typisch SAP – nicht ganz einfach. Es gibt mehrere kommerzielle Modelle, und die Wahl des passenden Modells kann den Unterschied zwischen einer gut kontrollierten Investition und einer unangenehmen Überraschung in der Jahresrechnung ausmachen. In diesem Teil erklären wir die zentralen Lizenzmodelle, vergleichen sie miteinander und geben praxisnahe Empfehlungen.
Die kommerziellen Modelle im Überblick
SAP bietet für die BTP verschiedene kommerzielle Modelle an. Für viele Kunden stehen vor allem drei Varianten im Mittelpunkt: CPEA, BTPEA und Pay-As-You-Go.
Modell | CPEA | BTPEA | Pay-As-You-Go |
Vollständiger Name | Cloud Platform Enterprise Agreement | SAP BTP Enterprise Agreement | Pay-As-You-Go for SAP BTP |
Grundlogik | Vorab vereinbartes Credit-Commitment | Vorab vereinbartes Credit-Commitment als strategische Weiterentwicklung von CPEA | Verbrauchsabhängige Abrechnung |
Abrechnung | Cloud Credits | Cloud Credits | Monatlich nach tatsächlicher Nutzung |
Laufzeit | Typisch mehrjährig | Typisch mehrjährig | Vertragsdauer typischerweise min. 3 bis 12 Monate mit automatischer Verlängerung |
Rabattstruktur | Volumenrabatte möglich | In der Regel attraktivere Konditionen bzw. kommerzielle Weiterentwicklung gegenüber CPEA | Listenpreise, meist ohne Volumenrabatte |
Zielgruppe | Bestandskunden mit laufendem CPEA-Vertrag; für Neukunden nicht mehr das Zielmodell | Neukunden, Vertragserneuerungen und breiter produktiver BTP-Einsatz | PoCs, Evaluierung, Entwickler-Sandboxes und kleine Szenarien |
Hinweis: Konkrete Preise, Serviceverfügbarkeiten, Vertragslaufzeiten und Inklusivleistungen können sich ändern und hängen vom Land, Vertrag, SAP-Angebot und der aktuellen SAP-Preisliste ab.
CPEA – Cloud Platform Enterprise Agreement
Das CPEA-Modell war über Jahre eines der zentralen Verbrauchsmodelle für die SAP BTP. Für Neukunden steht CPEA jedoch nicht mehr im Fokus bzw. wird nicht mehr als Zielmodell angeboten; faktisch befindet sich CPEA im Auslauf und ist vor allem für bestehende Verträge relevant. Es funktioniert ähnlich wie ein Prepaid-Guthaben: Das Unternehmen verpflichtet sich zu einem bestimmten Credit-Volumen und verbraucht dieses durch die Nutzung berechtigter BTP-Services.
- Commitment: Das Unternehmen vereinbart ein jährliches oder vertraglich definiertes Cloud-Credit-Volumen.
- Verbrauch: Jeder berechtigte BTP-Service hat definierte Verbrauchsraten, zum Beispiel je Nutzer, Instanz, Speicher, Kapazität oder Transaktion.
- Flexibilität: Credits können innerhalb des Vertragsrahmens flexibel für unterschiedliche berechtigte Services eingesetzt werden.
- Overage: Wird das vereinbarte Volumen überschritten, entstehen zusätzliche Kosten.
Wichtig: Nicht verbrauchte Credits verfallen in der Regel am Ende der relevanten Vertrags- oder Verbrauchsperiode, sofern vertraglich nichts anderes geregelt ist.
BTPEA – SAP BTP Enterprise Agreement
SAP positioniert BTPEA als Weiterentwicklung des CPEA-Modells. Der Grundmechanismus bleibt ähnlich: Man vereinbart ein Verbrauchsvolumen, das flexibel für berechtigte SAP-BTP-Services genutzt werden kann. Gleichzeitig verfolgt SAP mit BTPEA das Ziel, die kommerzielle Nutzung der BTP zu vereinfachen und für breitere produktive Einsatzszenarien attraktiver zu gestalten.
Was ist gegenüber CPEA anders bzw. besonders zu prüfen?
- Konditionen: BTPEA kann gegenüber CPEA attraktivere kommerzielle Konditionen bieten, insbesondere bei breiterem oder wachsendem BTP-Einsatz.
- Serviceumfang: Welche Services, Servicepläne oder Plattformbestandteile inkludiert sind, muss anhand des konkreten Vertrags und der aktuellen SAP-Preisliste geprüft werden.
- RISE/GROW-Bezug: BTPEA kann im Kontext von RISE with SAP oder GROW with SAP eine wichtige Rolle spielen, insbesondere wenn dort bereits BTP-Nutzungsrechte oder Credits enthalten sind.
Pay-As-You-Go for SAP BTP
Das Pay-As-You-Go-Modell ist der niedrigschwelligste Einstieg in die SAP BTP. Es eignet sich vor allem, wenn noch kein langfristiges Commitment eingegangen werden soll oder der tatsächliche Verbrauch schwer abschätzbar ist.
- Kein Vorab-Commitment: Es wird nach tatsächlicher Nutzung abgerechnet.
- Vertragsdauer: Laut aktuellem SAP-Angebot liegt die Vertragsdauer für Pay-As-You-Go for SAP BTP typischerweise zwischen 3 und 12 Monaten. Eine Mindestlaufzeit von drei Monaten ist zu berücksichtigen (Stand Mai 2026).
- Abrechnung: Die Abrechnung erfolgt in der Regel monatlich im Nachgang auf Basis der tatsächlich genutzten Services.
- Free Tier: Viele BTP-Services bieten Free-Tier- oder Always-Free-Pläne, die für Tests, Lernen und erste Prototypen hilfreich sind.
- Serviceverfügbarkeit: Nicht jeder Service, jede Region oder jeder Serviceplan ist automatisch in jedem kommerziellen Modell verfügbar. Die konkrete Verfügbarkeit sollte im SAP Discovery Center und im BTP Cockpit geprüft werden.
Ideal für: Proof of Concepts, Entwickler-Sandboxes, Evaluierungsprojekte oder kleine, klar abgegrenzte Szenarien.
Nicht ideal für: Produktive Workloads mit signifikantem oder stark wachsendem Volumen. Hier können CPEA oder BTPEA aufgrund von Konditionen und Planbarkeit wirtschaftlicher sein.
Was sind Cloud Credits?
Cloud Credits sind eine vertragliche Verrechnungseinheit innerhalb der verbrauchsbasierten BTP-Modelle CPEA und BTPEA. Kunden vereinbaren ein bestimmtes Credit-Volumen und verbrauchen dieses durch die Nutzung berechtigter BTP-Services.
Wichtig ist die Unterscheidung: Pay-As-You-Go ist ebenfalls verbrauchsabhängig, arbeitet aber ohne ein vorher vereinbartes “Credit-Commitment”. Die Abrechnung erfolgt nach tatsächlicher Nutzung gemäß den jeweils gültigen Konditionen.
- Die Verbrauchsraten hängen vom Service, der Region, dem Serviceplan und der aktuellen SAP-Preisliste ab.
- Der Gegenwert eines Credits sollte nicht pauschal mit einer festen Währung gleichgesetzt werden, da Rabatte, Region und Vertrag eine Rolle spielen.
- Der SAP BTP Service Estimator im SAP Discovery Center unterstützt bei der Kalkulation konkreter Szenarien.
Typische Kostenfallen und wie man sie vermeidet
Kostenfalle | Problem | Lösung |
Vergessene Dev/Test-Instanzen | HANA-Cloud-, Datasphere- oder andere BTP-Instanzen laufen in Nicht-Produktivumgebungen weiter und verbrauchen Budget. | Regelmäßiges Review im BTP Cockpit; Instanzen stoppen, skalieren oder auf geeignete Pläne zurückstufen. |
Overage ohne Warnung | Das vereinbarte Credit-Volumen ist erschöpft; zusätzliche Kosten werden oft zu spät bemerkt. | Alerts und Budgets konfigurieren; Schwellenwerte z. B. bei 70 %, 85 % und 95 % setzen. |
Falsches Modell gewählt | Pay-As-You-Go wird für dauerhaft produktive und volumenstarke Workloads genutzt. | Für produktive Szenarien mit relevantem Volumen CPEA oder BTPEA wirtschaftlich vergleichen. |
Ungenutzte RISE/GROW-Rechte | Vorhandene BTP-Nutzungsrechte oder Credits werden nicht genutzt und verfallen ggf. | Vertrag, BTP Cockpit prüfen und einen Nutzungsplan erstellen. |
Fehlende Governance | Fachbereiche buchen Services ohne zentrale Übersicht. | Zentrale BTP-Governance mit Account-Struktur, Verantwortlichkeiten, Budgetzuweisung und Monitoring etablieren. |
Welches Modell passt zu Ihnen?
Ihre Situation | Empfehlung |
Neukunde oder Vertragserneuerung mit geplantem produktivem BTP-Einsatz | BTPEA sollte stets geprüft werden. |
Bestandskunde mit laufendem CPEA-Vertrag | CPEA während der Restlaufzeit weiterführen, aber bei Verlängerung bzw. Neuverhandlung aktiv den Wechsel auf BTPEA prüfen, da CPEA im Auslauf ist. |
PoC oder Evaluierung eines einzelnen Service | Pay-As-You-Go mit Free Tier starten, aber die Mindestlaufzeit sowie die automatische Verlängerung beachten. |
Breiter BTP-Einsatz in mehreren Bereichen geplant | BTPEA mit ausreichendem Credit-Volumen, Governance und Monitoring planen. |
RISE/GROW bereits vorhanden | Zuerst prüfen, welche BTP-Nutzungsrechte oder Credits bereits enthalten sind. |
CubeServ-Empfehlung
- Starten Sie mit einem klaren Use Case. Lizenzieren Sie nicht „auf Vorrat“, sondern definieren Sie konkret, welche BTP-Services Sie für welches Szenario benötigen.
- Nutzen Sie den SAP BTP Service Estimator im Discovery Center. Kalkulieren Sie den erwarteten Verbrauch vor Vertragsabschluss – nicht erst danach.
- Etablieren Sie BTP-Governance früh. Klären Sie, wer Services buchen darf, wie der Verbrauch überwacht wird und welche Alerts konfiguriert sind.
- Prüfen Sie RISE/GROW-Nutzungsrechte. Falls bereits ein RISE- oder GROW-Vertrag besteht, prüfen Sie die inkludierten BTP-Entitlements, bevor zusätzliche Kapazitäten beauftragt werden.
- Planen Sie den Übergang vom PoC in den Betrieb. Pay-As-You-Go ist ideal für den Start; für produktive Workloads sollte rechtzeitig ein Enterprise-Modell geprüft werden.
Blog-Serie:
In den nächsten Teilen gehen wir tiefer auf spezielle Themen ein, welche uns bei unseren Kunden immer wieder begegnen.
Teil | Thema |
| Teil 1 | Was ist die SAP BTP und wie passt sie ins große Bild? |
Teil 3 | BTP Cockpit – Monitoring, Berechtigungen, Governance & Subaccount-Strukturen |
Teil 4 | Services & Environments – Cloud Foundry, Kyma und der Service Marketplace |
Teil 5 | Integration Suite – Datenflüsse zwischen Systemen |
Teil 6 | Erweiterungen in der Praxis – Side-by-Side Extensions mit CAP und RAP |
Teil 7 | AI & Automation – SAP AI Core, Joule |
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Thomas Krafft
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