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Blogserie Teil 1: Was ist die SAP BTP und wie passt sie ins große Bild?

Wer sich heute mit SAP beschäftigt, kommt an drei Buchstaben nicht mehr vorbei: BTP. Die SAP Business Technology Platform ist das strategische Herzstück der SAP-Cloud-Strategie. Doch bei vielen Unternehmen herrscht Unsicherheit: Was genau ist die BTP? Brauche ich das? Und wie hängt das mit meinem S/4HANA und meinem Business Warehouse (BW) zusammen?

Dieser Blog ist der Auftakt einer mehrteiligen Serie, in der wir die SAP BTP Schritt für Schritt erklären. In diesem ersten Teil ordnen wir die BTP in die SAP-Gesamtarchitektur ein und klären, wie sie mit S/4HANA und BW/4HANA zusammenspielt.

Was ist die SAP BTP?

Die SAP Business Technology Platform ist eine integrierte Cloud-Plattform, die Unternehmen die technologische Grundlage für Innovation, Integration und Erweiterung ihrer SAP-Landschaft bietet. Die Plattform entstand 2021 durch die Umbenennung der SAP Cloud Platform. (Quelle: SAP Help Portal: What Is SAP BTP)

SAP beschreibt die BTP über fünf zentrale Säulen:

Säule

Was steckt dahinter?

Wichtige Services

Application Development

Entwicklung eigener Anwendungen und Erweiterungen – von Pro-Code bis Low-/No-Code

SAP Build Code, Cloud Application Programming Model – CAP und ABAP RESTful Application Programming Model kurz RAP.

Integration

Verbindung von SAP- und Non-SAP-Systemen

SAP Integration Suite, API Management, Event Mesh

Data & Analytics

Einheitliche Datenbasis, Warehousing und Reporting

SAP Business Data Cloud (BDC), SAP Datasphere, SAP Analytics Cloud, SAP HANA Cloud

Artificial Intelligence

KI-gestützte Prozesse und intelligente Anwendungen

SAP AI Core, SAP AI Launchpad, Joule

Automation

Automatisierung von Geschäftsprozessen

SAP Build Process Automation

 

Kurz gesagt: „Die BTP ist keine einzelne Anwendung, sondern SAPs Platform-as-a-Service-Angebot (PaaS) sozusagen ein Werkzeugkasten aus Cloud-Services, mit dem Unternehmen ihre SAP-Landschaft erweitern, integrieren und intelligenter machen, ohne den Kern ihrer Systeme zu verändern.“

 

Die BTP in der SAP-Gesamtarchitektu

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Diese Grafik wurde mit AI erstellt

S/4HANA und BTP: Die Erweiterungsschicht

S/4HANA ist und bleibt der operative Kern – hier laufen Finanzprozesse, Logistik, Einkauf, Fertigung. Die BTP fungiert als Innovations- und Erweiterungsschicht darüber. (Quelle: SAP Help Portal: S/4HANA Cloud Extensibility)

  • Side-by-Side Extensions: Eigene Apps auf der BTP, die per API auf S/4HANA-Daten zugreifen – z. B. ein Genehmigungs-Workflow, eine mobile App oder ein Kundenportal. Deployment auf Cloud Foundry- oder Kyma Laufzeitumgebungen.
  • Integration: Die SAP Integration Suite auf der BTP verbindet beispielsweise S/4HANA mit SuccessFactors, Ariba, Concur oder beliebigen Drittsystemen.
  • Events: Über den SAP Event Mesh können Ereignisse aus S/4HANA (z. B. ‚Bestellung angelegt‘) in Echtzeit an andere Systeme weitergeleitet werden.

Wichtig: S/4HANA 2025 definiert bereits standardisierte API- und Event-Kanäle speziell für die BTP-Kommunikation. Die Integration wird von Release zu Release erweitert.

Das Clean-Core-Prinzip: Warum die BTP so wichtig geworden ist

Um die Rolle der BTP zu verstehen, muss man SAPs strategische Richtung kennen: das Clean-Core-Prinzip. (Quelle: SAP Help Portal: Keep the Core Clean) Die Kernidee:

  • Nutze den SAP-Standard, wann immer möglich („Fit-to-Standard“).
  • Erweitere nur, wenn es klaren Business-Mehrwert gibt – und dann über freigegebene Schnittstellen: released APIs, freigegebene BAdIs und freigegebene Funktionsbausteine.
  • Halte den S/4HANA-Kern sauber, damit Upgrades und Innovationen reibungslos möglich bleiben.

Was bedeutet das in der Praxis? Früher wurden SAP-Systeme oft stark modifiziert – eigener ABAP-Code, User-Exits, Modifikationen am Standard. Das Ergebnis: technische Schulden, die Upgrades aufwändig und teuer machten.

Die neuen Extensibility-Level (A bis D)

Mit Clean Core hat SAP ein neues Bewertungsmodell für Erweiterungen eingeführt. Das frühere 3-Tier-Modell wurde durch ein vierstufiges Level-Konzept (A bis D) ersetzt, das die Clean-Core-Konformität von Erweiterungen differenzierter bewertet. (Quelle: SAP Note 3578329 – Extensibility Levels)

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Diese Grafik wurde mit AI erstellt

Genau hier kommt die BTP ins Spiel: Sie ist die designierte Plattform für alle Erweiterungen, Integrationen und Innovationen, die über den SAP-Standard hinausgehen.

Die Bewertung einer Erweiterung richtet sich dabei nach der am niedrigsten eingestuften Technologie, die darin verwendet wird. Nutzt eine Erweiterung überwiegend Level-A-Objekte, aber ein einziges Level-D-Objekt, wird die gesamte Erweiterung als Level D bewertet.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege der Erweiterung:

  • On-Stack (In-App): Erweiterungen direkt im S/4HANA-System über ABAP Cloud, freigegebene BAdIs, Funktionsbausteine und RAP. Ziel ist mindestens Level A oder B.
  • Side-by-Side auf der BTP: Eigenständige Anwendungen, die auf der BTP laufen und über APIs mit S/4HANA kommunizieren – entwickelt mit CAP. Immer Level A. Deployment ist sowohl auf Cloud Foundry als auch auf Kyma möglich. (Quelle: SAP Help Portal: Extending SAP S/4HANA)

Ein ehrliches Wort zu Clean Core

SAP vermarktet Clean Core als klare Vision – und die Richtung ist richtig. Aber seien wir ehrlich: 100 % Clean Core ist für die meisten Unternehmen kein realistisches Ziel, zumindest nicht kurzfristig.

Warum? Weil die Realität in SAP-Landschaften komplex ist:

  • Gewachsene Z-Entwicklungen und Modifikationen lassen sich nicht über Nacht auf BTP-Extensions migrieren. Viele Unternehmen haben Hunderte oder sogar Tausende Custom-Objekte.
  • Nicht für jede Anforderung existiert bereits eine freigegebene API oder ein released BAdI. SAP baut das Portfolio kontinuierlich aus – aber es gibt noch Lücken.
  • Die Kosten für eine vollständige Clean-Core-Transformation können erheblich sein – gerade wenn bestehende Prozesse komplett neu gedacht werden müssen.
  • Fachbereiche haben über Jahre Prozesse etabliert, die auf Custom-Code basieren. Diese Veränderung braucht Zeit, Change Management und Überzeugungsarbeit.

Unsere Empfehlung: Betrachten Sie Clean Core als strategische Richtung, nicht als Alles-oder-nichts-Entscheidung. Priorisieren Sie die Bereiche, in denen der größte Nutzen entsteht. Das Level-Konzept (A–D) erkennt diese Realität an: Es geht darum, die eigene Erweiterungslandschaft transparent zu bewerten und schrittweise in Richtung höherer Levels zu entwickeln.

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Diese Grafik wurde mit AI erstellt

BW/4HANA, Datasphere und die Analytics-Landschaft

Für Unternehmen mit einer gewachsenen BI-Landschaft stellt sich die Frage: Wo steht mein BW/4HANA in diesem Bild? Die Antwort ist ein Sowohl-als-auch:

  • BW/4HANA bleibt eine leistungsfähige On-Premise-Data-Warehouse-Lösung für komplexe, unternehmensweite Datenmodelle und historisch gewachsene Reporting-Strukturen.
  • SAP Datasphere ist SAPs Cloud-Data-Warehouse auf der BTP und wird strategisch als Nachfolger positioniert. SAP investiert die Zukunftsinnovationen primär in Datasphere und hybride Architekturen. (Quelle: SAP Help Portal: SAP Datasphere)
  • Die BW Bridge in Datasphere ermöglicht es, bestehende BW-Modelle schrittweise in die Cloud zu überführen. (Quelle: SAP Help Portal: SAP BW Bridge)
  • Semantic Onboarding erlaubt den nahtlosen Import semantisch reichhaltiger Objekte aus BW/4HANA und S/4HANA in Datasphere.
  • SAP Analytics Cloud (SAC) übernimmt das Frontend – Reporting, Dashboarding und Planung – und ist ebenfalls auf der BTP beheimatet. (Quelle: SAP Help Portal: SAP Analytics Cloud)
  • SAP Business Data Cloud (BDC) ist SAPs neueste Data-&-Analytics-Produktsuite. Sie vereint SAP Datasphere, SAP Analytics Cloud und SAP BW Bridge unter einem Dach und bietet eine einheitliche semantische Schicht, vorgefertigte Datenprodukte und Zero-Copy-Integration mit Databricks, Snowflake und Google BigQuery.

Aus CubeServ-Sicht: Gerade für BI-Bestandskunden ist der Übergang von BW/4HANA zu Datasphere ein zentrales Thema. Es geht nicht um ein abruptes Entweder-oder, sondern um eine schrittweise, hybride Migration. Die BTP bildet dabei das gemeinsame Dach.

Zusammenfassung

Frage

Antwort

Was ist die BTP?

SAPs integrierte Cloud-Plattform für Entwicklung, Integration, Daten/Analytics, AI und Automation

Warum brauche ich sie?

Clean Core: Der S/4HANA-Kern soll sauber bleiben – Erweiterungen laufen über die BTP

Wie hängt sie mit S/4HANA zusammen?

Die BTP ist die Erweiterungs- und Integrationsschicht über S/4HANA

Und BW/4HANA?

BW/4HANA wird über die SAP Business Data Cloud (BDC) und Datasphere in die Cloud-Analytics-Welt integriert

Was die BTP NICHT ist

Um Missverständnisse zu vermeiden:

  • Die BTP ist kein Ersatz für S/4HANA – sie ergänzt es.
  • Die BTP ist kein einzelnes Produkt – sie ist eine Plattform mit über 100 Services.
  • Die BTP ist keine optionale Spielerei – sie ist SAPs strategische Pflicht-Architektur für Clean Core und Cloud-Transformation.
  • Die BTP ist nicht nur für Entwickler – auch Fachanwender profitieren z. B. über SAP Build Process Automation oder der SAP Build WorkZone.

Ausblick auf die Blog-Serie

In den nächsten Teilen gehen wir tiefer auf spezielle Themen ein, welche uns bei unseren Kunden immer wieder begegnen

Teil

Thema

Teil 2

Lizenzierung & Kosten – CPEA, BTPEA, Pay-As-You-Go: Welches Modell passt zum Unternehmen?

Teil 3

BTP Cockpit – Monitoring, Berechtigungen, Governance & Subaccount-Strukturen

Teil 4

Services & Environments – Cloud Foundry, Kyma und der Service Marketplace

Teil 5

Integration Suite – Datenflüsse zwischen Systemen

Teil 6

Erweiterungen in der Praxis – Side-by-Side Extensions mit CAP und RAP

Teil 7

AI & Automation – SAP AI Core, Joule

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